Wenn nächtlicher Harndrang Sie am Schlafen hindert…
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Geschrieben von: W.Juengst, Marie Hediger   
Montag, den 15. Juli 2013 um 08:53 Uhr

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Nachts zur Toilette: Wie oft ist normal?


Viele Menschen vereint dieses Schicksal: Sie wollen endlich mal wieder eine Nacht durchschlafen. Sie werden jedoch mehrmals pro Nacht durch starken Harndrang geweckt.

Bei mehr als zwei Toilettengängen pro Nacht spricht man von einer Nykturie, also einem vermehrten nächtlichen Wasserlassen.



Nykturie nicht auf die leichte Schulter nehmen


Krankheitswert bekommt Nykturie immer dann, wenn der Nachtschlaf so häufig unterbrochen wird, dass Betroffene am Tag müde, gestresst und nicht leistungsfähig sind. Gestörter Schlaf kann bei älteren Menschen zum Auftreten von körperlichem und geistigem Abbau beitragen. Auch Stimmungsschwankungen bis hin zu Depressionen kommen nicht selten vor. Außerdem vergrößert sich das Sturzrisiko bei älteren Menschen erheblich.

 


Achtung Nykturie: Gefahr für das Immunsystem


Wissenschaftliche Studien haben gezeigt, dass Menschen mit einer belastenden Nykturie häufiger zu schwereren Erkrankungen neigen und dass der Gesundheitszustand im Allgemeinen bei diesen Menschen bereits deutlich schlechter zu sein scheint. Dazu könnte auch der Umstand beitragen, dass häufiges Aufwachen und schlechter Schlaf sich auch negativ auf das Immunsystem auswirken können.

 


Nykturie hat selten mit Bettnässen oder Blasenschwäche zu tun


Eine Nykturie hat nichts mit dem Thema Bettnässen zu tun, wie oft irrtümlich angenommen wird. Unglücklicherweise vermeiden trotzdem viele Menschen die ärztliche Abklärung.  Daher ist es gut zu wissen, dass eine Nykturie nur selten auf Blasenprobleme zurück geht. Vielmehr verbergen sich hinter dem vermehrten Wasserlassen bei Nacht andere oft schwerwiegende Erkrankungen: Herzschwäche, Nierenerkrankungen, ein gestörter Hormonhaushalt oder ein Hirntumor können die Ursache sein und müssen ärztlich ausgeschlossen werden.



Nykturie ist oft Symptom einer Herzschwäche


Bei einer Herzschwäche staut sich das Blut tagsüber vermehrt in den Venen und drückt dabei Flüssigkeit ins umliegende Körpergewebe. Nachts wird dann diese Flüssigkeit wieder vom Blutkreislauf aufgenommen und über die Nieren ausgeschieden, wodurch es zu einem starken Harndrang kommt. Daneben kann aber auch eine Diabetes-Erkrankung für eine Nykturie verantwortlich sein.

 


Nykturie und Prostata


Ältere Männer zählen bekanntermaßen zu den typischen Nykturie-Geplagten. Bei ihnen hängt das vermehrte nächtliche Urinieren vielfach mit einer vergrößerten Prostata zusammen oder mit dem sogenannten LUTS, einem häufig bei älteren Männern auftretenden männlichen Symptomkomplex des unteren Harntrakts. Das häufige Wasserlassen tagsüber ( Pollakisurie) und die Nykturie gehören in diesen Symptomkomplex sowie der imperative Harndrang, der bis zur Dranginkontinenz führen kann.

 


Wie kann eine Nykturie behandelt werden?


Wenn Sie nachts öfter als zweimal zur Toilette müssen, sollten Sie sich an Ihren Arzt wenden. Dieser überprüft zunächst, welche Erkrankung hinter der Nykturie steht und stimmt seine Therapie-Maßnahmen darauf ab. Er behandelt also zum Beispiel die für die Nykturie verantwortliche Herzschwäche, die mögliche Diabetes-Erkrankung oder die vergrößerte Prostata bzw. die Reizblase. Oder er verschreibt Ihnen künstliche Hormone, um ein Defizit an antidiuretischem Hormon zu kompensieren. 

 



Was Sie selbst tun können


Sie selbst können auch durch einige Veränderungen in Ihrem täglichen Verhalten für ein ungestörtes Durchschlafen sorgen. Nehmen Sie zwei Drittel Ihrer täglichen Trinkmenge möglichst vor 18 Uhr zu sich. Ausreichend Trinken ist aber trotzdem notwendig und therapeutisch sinnvoll. Allerdings können Sie durch ein regelmäßiges Trink- und Toilettentraining zu einer Verbesserung beitragen. Bitte lesen Sie dazu den Beitrag zum Toilettentraining. Weiterhin sollten Sie abends bevorzugt auf leichte Kost zurückgreifen und wenn nöig Übergewicht abbauen.



Beachten Sie bitte in diesem Zusammenhang, dass eine genaue Diagnose bzw. das Einleiten erfolgreicher Therapiemaßnahmen nur durch einen entsprechenden Facharzt vorgenommen werden kann!


Quelle: Deutsche Inkontinenz Gesellschaft e.V., Band 8. Bamberger Gespräche 2004: Nykturie und Harninkontinenz


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